Ganz easy. Nimm dir einfach die Zeit zum Schreiben und dann flutscht das von alleine. Wenn du das nicht kannst, dann willst du es schlichtweg nicht genug. Such dir also besser ein anderes Hobby. Vielleicht wäre Filme schauen oder Löcher-in-die-Luft-starren während du auf der Couch die Füße hochlegst was für dich. Schreiben scheint es auf jeden Fall nicht zu sein. Punkt.

So oder so ähnlich – okay, vielleicht nicht ganz so extrem – lese ich das öfter auf verschiedenen Blogs, die eigentlich die Freude am Schreiben verbreiten möchten. Nach einer solchen Lektüre fühle ich mich allerdings eher etwas vor den Kopf gestoßen.

Der perfekte Zeitpunkt

Ich weiß ja wie es gemeint ist. Wenn du in dem ohnehin trubeligen Alltag auf den richtigen Zeitpunkt zum Schreiben wartest, dann hast du schon verloren. Denn ob es nun ums Schreiben geht oder um andere Dinge, den wirklich richtigen Zeitpunkt gibt es einfach nicht. Also bleibt dir nichts anderes übrig, als dir bewusst Zeiten zum Schreiben festzulegen und entsprechende Freiräume zu schaffen.

Soweit so gut, die Theorie klingt super, ich bin total dafür! Und ich hasse es, hier ein “Aber” einwerfen zu müssen – aber …

John Lennon wird ein schöner Spruch zugeschrieben: “Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.” Und genau da liegt die Krux. So einfach ist das mit den festen Schreibzeiten nämlich gar nicht, wenn der Alltag dazwischen kommt.

x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x

Eigentlich wollte ich jetzt darüber schreiben, wie schwierig es ist, das Schreiben in den Alltag zu integrieren. Darüber, wie ich nach der Arbeit schnell nach Hause eile, unseren Sohn abhole, mit ihm den Nachmittag bis in den frühen Abend verbringe und nachdem wir ihn ins Bett gebracht haben, nur noch müde aufs Sofa sacke. Darüber, wie ich mir (gedanklich) Pläne für meine Schreibzeiten mache, die dann von anderen ToDos wie (ganz aktuell) Wohnung umräumen und ausmisten oder ganz banalen Alltagsdingen wie Einkaufen oder der Hausarbeit, möglicherweise auch dem Basteln von Geschenken und ähnlichem durchkreuzt werden.

Ich wollte zeigen, wie unrecht all diejenigen haben, die sagen, dass man die Prioritäten einfach falsch setzt, wenn man es nicht schafft, das Schreiben in seinen Alltag zu integrieren. Ich wollte Verständnis und vielleicht auch ein bisschen Mitgefühl, ganz bestimmt aber Zustimmung dafür, dass es für mich neben all dem, was ich jeden Tag so zu tun habe, wirklich schwierig ist auch noch (mehr) Zeit zum Schreiben zu finden.

Ja, all das wollte ich hier ganz laut verkünden und einfordern. Doch dann sind ein paar wenige Tage vergangen. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken und Reflektieren und bin mit all den Gedanken im Hinterkopf auf den Podcast von Annika Bühnemann (Vom Schreiben leben) gestoßen. Als nicht wirklich Schreib-, aber doch Romanschreibanfänger habe ich einige wirklich interessante Dinge gehört, die mein Gedankenkarussell ordentlich angeschupst haben.

Du musst wissen, was du willst

Ja, ich habe einen chaotisch trubeligen Alltag. Und ja, meine ToDo-Liste platzt aus allen Nähten. Genauso stimmt es, dass ich ziemlich oft total ausgelaugt auf den Sofa liege und noch vor neun Uhr abends tief und fest schlafe.

Es ist aber genauso Fakt, dass ich ziemlich oft zum Handy greife, nur um sinnlos rumzuklicken. Es ist Tatsache, dass ich das Schreiben gerne auf abends, dann auf den nächsten Tag und schließlich auf die kommende Woche verschiebe. Es stimmt, dass ich behaupte nur eine halbe Stunde reiche mir nicht zum Schreiben und deshalb gar nicht erst anfange.

Wie sicherlich viele andere auch bin ich ziemlich kreativ, wenn es darum geht etwas nicht zu tun. Ist ja auch einfacher, als sich mühsam aufzuraffen, um dem inneren Schweinehund einen motivierten Tritt in den Hintern zu verpassen.

Schreiben: (all)täglich!?

Nur weil ich Annikas Podcast gehört und viel darüber nachgedacht habe, heißt das nicht, dass ich ab jetzt jeden Tag schreibe. Es bedeutet aber, dass ich mittlerweile das, was ich anfänglich so ironisch überzeichnet habe, durchaus verstehe und es ein Stück weit sogar unterschreiben würde.

Zeit ist kostbar, Zeit ist begrenzt, aber sollte sie nicht genau deshalb mit dem gefüllt werden was uns wichtig ist und am Herzen liegt? Zeit mit unseren Lieben zu verbringen ist ohnehin das größte und steht außer Konkurrenz. Doch findet sich da nicht tatsächlich auch Raum für das Schreiben.

Als Herzensangelegenheit oder um zu unterstreichen wie ernst es dir mit deinem Buch wirklich ist. Auch als Hobbyautor kannst du dir ein bisschen was von den Profis abschauen, die doch (nahezu) immer und überall schreiben können.

Wie es bei mir weiter geht

Und jetzt?! Jetzt werde ich mir meinen Papierkalender zur Hand nehmen und schauen, wann ich mir Freiräume für mein Schreiben schaffen kann. Ich werde versuchen, eine Schreibroutine in meinen Alltag einzubauen. Auch mal nur für eine halbe Stunde zu schreiben werde ich ausprobieren. Selbst wenn dabei nur 200 Wörter rauskommen, sind es 200 mehr als vorher.

Wie schafft ihr es neben allem Alltäglichen regelmäßig zu schreiben? Habt ihr eine Schreibroutine? Wie motiviert ihr euch an wirklich stressigen Tagen trotzdem noch ein paar Wörter zu schreiben?