Nach einer kleinen Weihnachts-Geburtstags-Silvester-Pause, in der ich sehr schreibkreativ war, starte ich nun mit neuer Energie ins Jahr 2020. So richtig gut hat es leider nicht begonnen. In den ersten Tagen gab es schon mehr Hiobsbotschaften, als im gesamten letzten Jahr, aber was hilft’s?!

Ich wünsche euch – und auch mir – viele Glücksmomente und großartige Erlebnisse, die zu unvergesslich schönen Erinnerungen werden. Ein wundervolles Jahr 2020 mit zahlreichen erfüllten und neu geträumten Träumen.

Neben all den schlechten Nachrichten gab es aber auch schon ein schönes Highlight: die Schreibmanufaktur von Anne Granert.

Schreibmanu … was?!

Ich hatte schon mal erzählt, wie mich ein glücklicher Zufall auf einer Familienfeier über Annes Debütroman (Des Sandes Widerhall) stolpern ließ (Autorenblog vor Buchveröffentlichung?). Nur ein Gespräch später saß ich im November schon im Auto, auf dem Weg zur für mich ersten Schreibmanufaktur und fand mich knapp eine Stunde später in einem absolut wunderbar gemütlichen Bauwagen wieder. Annes Herzlichkeit und die anderen, durchweg freundlichen Schriftstellerinnen, gaben mir gleich das Gefühl, hier absolut richtig zu sein. Und das war ich auch! 

Vermutlich hat jetzt jeder ein Bild im Kopf und eine vage Vorstellung von dem, was wir dort machen. Vielleicht stellt sich der ein oder andere einen netten Kaffeeplausch mit Freundinnen vor, bei dem zufällig auch geschrieben wird. Vielleicht hat ein anderer einen anstrengenden Workshop mit kniffligen Aufgabenstellungen vor Augen. Am Ende ist es wohl ein bisschen was aus beidem und noch mehr. 

Der Duden definiert Manufaktur unter anderem so: “gewerblicher Kleinbetrieb, in dem [stark spezialisierte] Produkte [im Wesentlichen oder teilweise] in Handarbeit hergestellt werden, was zu einer hohen Qualität führt”.

Übertragen auf uns wären die “stark spezialisierten Produkte” unsere Geschichten und Bücher, die wir durchaus in Hand- und auch extremster Kopfarbeit erstellen, was dann am Ende (hoffentlich) zu einer hohen Qualität führt. Von daher ist der Begriff Schreibmanufaktur eigentlich ziemlich gut gewählt.

Was aber machen wir da genau?

Wenn ich jetzt schreiben würde, dass wir immer eine bestimmte Sache machen, wäre das ein bisschen übertrieben, denn immer war erst zwei Mal. Dennoch fühlt es sich so an, als könnte es eine Tradition werden.

Um anzukommen, den Kopf frei zu kriegen und frisch in die gemeinsame Zeit starten zu können, schreiben wir … mir lag gerade das Wort Morgenseite schon auf der Tastatur, doch letztlich schreiben wir einfach eine vorgegebene Zeit lang alles auf, was uns in genau diesem Moment umtreibt, was uns beschäftigt und möglicherweise blockiert. Das kann schon mal ziemlich emotional sein, aber auch dafür ist Raum.

Mit (erstaunlicherweise) neuer Energie geht’s dann weiter. Wir besprechen unsere Manuskripte, erzählen wo wir Probleme mit dem Plot oder dem Schreiben im Allgemeinen haben oder freuen uns über besonders gelungene Passagen. Anne, die im Vorfeld unsere (teils) wirren Textfetzen schon gelesen hat, hat für jeden einzelnen individuelle Fragen, Übungen und hilfreiche Tipps. Aber auch Themen, die alle betreffen, bringt sie an – wie zuletzt das allseits bekannte show, don’t tell.

Alle Einzelheiten hier im Detail zu protokollieren würde zu weit führen. Aber ich kann sagen, dass mir schon unsere wenigen Treffen unheimlich viel Motivation gegeben haben. Denn all das Sprechen übers Schreiben, die geteilte Leidenschaft, die hilfreichen Tipps und ernstgemeinten Ratschläge, die frischen und teils verrückten Ideen, die absolut unterschiedlichen Charaktere, der inspirierende Austausch auf allen Ebenen, die kleinen und größeren (Schreib-)Übungen, der Blick über den Tellerrand, die freundlichen und bestärkenden Worte und schließlich das Schreiben selbst setzen so viel Energie frei, dass ich beinahe platzen könnte, würde ich nicht anfangen zu schreiben.

Es hört sich ein klein wenig verrückt an, dass ein schlichtes Treffen von Autorenkolleginnen eine solche Wirkung haben soll. Noch vor wenigen Jahren dachte ich auch, dass ich am Besten im stillen Kämmerlein schreiben könnte – und in gewisser Weise ist dem auch so. Aber ich habe ernsthaft unterschätzt wie wichtig und wertvoll der Austausch unter Gleichgesinnten ist.

Ich hatte so viel Angst, dass mir jemand meine (natürlich einzigartige und mega geniale) Idee klaut, dass ich – zumindest was das Schreiben angeht – längst ein Eremitendasein geführt habe. Ich bin sehr froh und dankbar, dass mich Anne und die anderen zurück in die Zivilisation geführt haben.

Mein Ratschlag an euch

Mittlerweile bin ich der Meinung, dass es eine absolute Bereicherung ist, mit anderen über seine Leidenschaft und die Ideen zu sprechen. Vielleicht nicht mit jedem und möglicherweise muss man auch nicht alles bis ins kleinste Detail erzählen, aber sich zu öffnen lohnt sich.

Ein Coaching ist Gold wert und ein gutes Netzwerk unbezahlbar. Ich steh zwar noch ganz am Anfang und habe einen langen Weg vor mir, bis ich irgendwann meinen Debütroman in Händen halten werde, aber zumindest gehe ich ihn nicht mehr allein, sondern mit Gleichgesinnten, mit Kolleginnen, mit Freundinnen.