
Anfang Mai flatterte ein Newsletter von Rebekka Behrendt in mein Postfach – Betreff: „📮[5Z] 30Tage Challenge: 5 Zeilen“.
Klar war ich sofort neugierig. Challenges sind immer super und 30 Tage überschaubar. Doch was hat es mit den 5 Zeilen auf sich?
Das erklärte sich direkt beim Blick in den Newsletter, denn der bestand aus gerade mal 5 Zeilen. Genauer gesagt aus fünf Sätzen, denn Zeilen sind je nachdem ob man den Text auf dem Laptop oder Smartphone anschaut und sogar je nach Mailprogramm unterschiedlich lang. Aber da wollen wir mal nicht zu streng sein.
Um ihrem Newsletter wieder Leben einzuhauchen hat sich Rebekka vorgenommen täglich einen zu verschicken. 30 Tage lang, jeweils 5 Zeilen – mehr nicht. Aber diese Hürde ist nicht allzu groß und deshalb schaffbar. Und genau darauf kommt es an.
Meine 5 Zeilen
Ich war natürlich sofort begeistert von der Idee.
Ansich finde ich auch Bücher à la „One line a day“ oder ähnliches toll, aber irgendwie habe ich sie trotzdem nie dauerhaft konsequent ausgefüllt. Vielleicht, weil mir eine Zeile dann doch zu wenig war.
Anschließen wollte ich mich Rebekka aber sehr gerne, nur wusste ich erst nicht so recht auf welche Weise. Einen Newsletter hatte ich schließlich nicht und tägliche Blogbeiträge mit nur 5 Zeilen erschienen mir dann doch etwas übertrieben.
(Wobei da gerade eine Idee in meinem Kopf aufploppt, während ich darüber schreibe … ich werde berichten.)
Nach nicht ganz zwei Wochen hatte ich am 12. Mai dann endlich einen spontanen Einfall. Im Februar 2025 habe ich einen Telegramkanal gestartet – Not just one thing. Ich habe ihn tatsächlich mit ein bisschen Abstand immer wieder bespielt, auch wenn ich ihn nie so wirklich beworben habe. Es ist einfach ein kleiner Spielplatz für mich zum Ausprobieren und Üben.
Aber gerade für die 5 Zeilen, war es für mich der ideale Ort und so veröffentlichte ich dort etwa zur Halbzeit der Challenge meine erste „Gedankennotiz in 5 Zeilen“ – absolut random, ich weiß morgens selbst noch nicht, was abends dort stehen wird.
Aber es macht unglaublich viel Freude und ich bin gespannt welche Gedanken noch alle notiert werden wollen.
Gedankennotiz in 5 Zeilen
Nachdem der Kanal wie gesagt nicht wirklich beworben wurde und entsprchend nicht sonderlich bekannt ist, bleiben meine Gedanken aktuell in einem sehr behüteten Raum.
Ansich sehr schön und gerade fühlt es sich auch ein bisschen nach Tagebuchschreiben an. Aber was ich so gerne mag, ist der Austausch, der durch diese kurzen Gedanken entsteht – und das kann natürlich nur passieren, wenn sie auch von Menschen gelesen werden.
Deshalb möchte ich heute meine esten zehn Gedankennotizen hier auf meinem Blog mit dir teilen. Und wer weiß … vielleicht kommen zu einem dieser Gedanken irgendwann noch so viele weitere dazu, dass es sich lohnt einen eigenen Blogartikel dazu zu verfassen 😉
… über die Idee dahinter (GN#1)
1 Seit fast zwei Wochen verschickt Rebekka ihren Newsletter mit jeweils 5 geschriebenen Zeilen – oder besser gesagt Sätzen, aber Zeilen klingt poetischer 😉
2 Doch welchen Namen man der Sache auch immer gibt, es bleibt eine tolle und teils auch herausfordernde Challenge.
3 Ich mag den Gedanken, sich in einer Zeit, in der es durch KI Worte im Überfluss gibt, wieder bewusst hinzusetzen, Worte mit Bedacht zu wählen und ihnen damit wieder Wert zu geben.
4 Je mehr ich mich beim Schreiben auf KI verlasse, desto belangloser werden die Texte, desto weiter entferne ich mich von all den Worten, die ich so sehr liebe – und das will ich ganz und gar nicht.
5 Deshalb schließe ich mich nun auch hier Rebekka an und teile jeden Tag „Gedanken in 5 Zeilen“, einfach so, weil ich es möchte 😉
… über die Begeisterung für einen Gedanken (GN#2)
1 Viel zu oft wartest du auf diesen einen, ganz besonderen Gedanken, der wie ein Nordstern am Himmel strahlt und mit dem du vermeintlich die ganze Welt aus den Angeln heben kannst.
2 Wenn er tatsächlich kommt, wenn alles um dich herum magisch leuchtet und in deinem Innern Hallelujah singt, dann teilst du ihn erwartungsvoll mit jedem – und ich meine wirklich jedem: deiner Familie, deinen Freunden, dem Bäcker um die Ecke und sogar dem Nachbarshund.
3 Und dann passiert buchstäblich … nichts.
4 Manchmal ist die Erkenntnis, dass dein magischster aller Gedanken für andere nichts weiter als ein schlecht erzählter Witz ist, schwer zu verdauen.
5 Aber du kannst sicher sein, dass es immer irgendwo irgendjemanden gibt, der deinen Gedanken noch mehr feiert als du und ihn zu einem grandiosen Meisterwerk macht, das selbst deine kühnsten Träume übertrifft 😉
… über durchkreuzte Pläne (GN#3)
1 Ich mache häufig Pläne und werfe sie genauso oft über den Haufen, bin da also recht flexibel – zumindest, wenn das Ziel noch in weiter Ferne liegt 😅
2 Je näher das Ziel allerdings rückt, desto unumstößlicher fühlt sich ein einmal gefasster Plan an – vielleicht aus Mangel an anderen Möglichkeiten.
3 Schwierig nur, wenn der Plan jede Menge Unbekannte beinhaltet wie beispielsweise ein Kind, das plötzlich hustend und schniefend von der Schule nach Hause kommt.
4 Warum können sich diese Unbekannten nicht an meinen Plan halten und einfach genau so mitspielen, wie es das Skript in meinem Kopf vorgibt?
5 Ganz einfach: Weil nicht die Unbekannten das Problem sind, sondern ich ganz dringend meine viel zu kurzfristigen Last-Minute-Pläne überdenken sollte – zumindest, wenn da was wichtiges dranhängt.
… über Entscheidungen, die umgesetzt werden wollen (GN#4)
1 Manchmal hat man eine Entscheidung längst getroffen – ganz still und leise für sich, ohne Fanfarenklänge oder Radio-Shoutout.
2 Doch so schwer es ist, sich für etwas zu entscheiden, ist es nichts wert, wenn keine Konsequenz folgt.
3 Denn bleibt die Entscheidung – ob getroffen oder nicht – im Kopf hängen, wirst du sie immer wieder drehen und wenden und dich fragen, ob es so auch wirklich richtig ist … so ganz wirklich und ganz richtig.
4 Und wenn dann jemand anders zufällig oder auch bewusst diese logische Konsequenz deiner Entscheidung umsetzt, fühlt es sich für dich manches Mal wie ein schwerer Verlust an, so als hätte man dir etwas weggenommen.
5 Aber nein … es war schon immer deine Entscheidung und Entscheidungen wollen getroffen werden – und am Ende wollen sie gehen dürfen …
… über die Bedeutung meiner Worte (GN#5)
1 Täglich etwas zu teilen fühlt sich schon an Tag 5 seltsam an – irgendwie zu viel.
2 Dabei sind es nur fünf kleine Zeilen, aber eben absolut random – Gedanken vom Tag, ausgelöst durch etwas Gesagtes, etwas Erlebtes, etwas Gelesenes … whatever.
3 Ich frage mich, ob diese wenigen Zeilen eine Bedeutung haben.
4 Und falls ja, sind sie bedeutsam, wenn ich sie schreibe oder wenn ich sie veröffentliche oder sogar erst in einigen Jahren als Zeugen von genau diesem Moment?
5 Ich hab ehrlicherweise keine Ahnung, aber ich hoffe, dass meine Worte irgendwo im Universum etwas bedeuten – ganz egal zu welcher Zeit.
… über die falsche Priorität (GN#6)
1 Wenn die Arbeit so extrem viel Zeit und Energie fordert, dass das Allerwichtigste im Leben hinten überfällt, kann doch was nicht stimmen.
2 Gerade zerreißt es mich zwischen Pflichtbewusstsein und Herzensmensch – dabei sollte die Entscheidung hier ganz leicht sein 🥰
3 Und doch fordern das Leben, die Gesellschaft, die eigenen Ansprüche und was sonst noch alles ihren Tribut.
4 Nur … das fühlt sich so unglaublich falsch an!
5 Und doch bin ich gerade gefangen in diesem Strudel aus Erwartungen, der mich wie ein weit geöffneter Schlund einfach ohne jedes freundliche Wort verschlingt … 😔
… über Kulinarik und den Frosch (GN#7)
1 Vermutlich hat jeder schon mal auf die ein oder andere Weise davon gehört, dass man den Frosch essen soll – „Eat the frog“ als Methode, um Dinge zuerst zu erledigen, die man so gar nicht mag.
2 Ich war nie, bin immer noch kein und werde wohl auch nie ein Freund dieses Prinzips sein.
3 Es hat durchaus einen guten Ansatz, allerdings finde ich es wenig hilfreich, wenn meine Laune gleich zu Beginn des Tages im Keller ist – da möchte ich doch lieber mit etwas Tollem den Tag beginnen 😉
4 Trotzdem muss man sich irgendwann den unliebsamen Aufgaben stellen, spätestens wenn sie keinen Aufschub mehr dulden.
5 Gestern war mein Frosch dran und ich bin jedes Mal wieder erstaunt, wie wenig schlimm es tatsächlich ist, wenn man erst mal angefangen hat – vielleicht sollte ich meine kulinarischen Präferenzen doch noch mal überdenken 😉
… über Matschgedanken in stressigen Zeiten (GN#8)
1 Gedanken, Gedanken … meine Gedanken sind momentan absoluter Matsch.
2 Zu wenig Schlaf, zu viel im Kopf, zu wenig Pausen, zu viel auf einmal.
3 Trotzdem frage ich mich, ob ich nicht genau in diesen Matschmomenten die freisten Gedanken habe.
4 Einfach, weil keine Energie oder Hirnkapazität mehr übrig ist, um sie zu hinterfragen oder gerade zu rücken.
5 Und auch wenn der Zustand selbst absolut nicht erstrebenswert ist – ganz ohne Frage – bin ich doch am überlegen, ob ich diese Matschgedanken nicht auf eine ganz skurrile Art liebenswert finde.
… über Gedanken, die ein Zuhause suchen (GN#9)
1 Mein heutiger Gedanke ist mir irgendwo zwischen italienischen Textkorrekturen und Fußballtraining abhanden gekommen – dabei war er richtig gut!
2 Zumindest ist dieses Gefühl übrig geblieben und ein bisschen Neugier auf das, was ich vergessen habe.
3 Aber ich denke auch: So richtig gute Gedanken und Ideen kommen irgendwann zurück.
4 Und wenn sie das nicht tun, dann nur, weil sie bei jemand anderem ein noch viel schöneres Zuhause gefunden haben.
5 Aber die Gewissheit bleibt, dass irgendwann ein neuer Gedanke kommt, der sich – während er die roten Rauchschwaden gegeneinanderpustet – immer wieder sagt „Es ist nirgendwo schöner als hier. Es ist nirgendwo schöner als hier …“
… über die Wichtigkeit Klartext zu reden (GN#10)
1 Dinge totschweigen oder um den heißen Brei herumreden kann ich ganz wunderbar, hab ich sogar beinahe zur Perfektion gebracht.
2 Mach ich ja auch schon seit mehr als 387.160 Stunden und ihr wisst ja … ab 10.000 Stunden Training ist man quasi Meister – ich bin also was?!
3 Ein Gott! – oder einfach dumm.
4 Denn wie viel leichter und schöner ist es, wenn du einfach mal Tacheles redest und sagst, was du möchtest, was dich stört, was du dir wünschst, worüber du dich freust …
5 Klar ist das erstmal schwer und ja es piekst und zwickt auch ganz schön doll im Bauch, aber wenn du‘s geschafft hast, ist das Leben um sooo vieles wunderbarer!
Und jetzt?
Die Gedanken sind absolut random und ergeben sich aus dem, was vom Tag hängen bleibt. Aus einem Gespräch oder etwas, das ich gesehen habe. Aus einem Erlebnis oder einfach einem mittelgroßen Gefühl, das mich den Tag über begleitet oder zwischendurch kurz gestreift hat.
Manchmal reicht ein Wort um ein ganzes Buch zu füllen. Manchmal sind alle Worte dieser Welt nicht genug, um überhaupt einen Satz zu schreiben.
Ich liebe die Dynamik, die diese Gedankennotizen bisher genommen haben. Und ich mag es, wie sie meinen Kopf mit Leichtigkeit sortieren – zumindest für einen kleinen Moment.
Bisher sind 25 Gedankennotizen entstanden. Anfang Juni gab es eine kleine Pause, weil meine Welt für einen kurzen Augenblick stillstand. Sie hat sich zum Glück längst wieder weiter gedreht, aber ich brauchte dennoch eine Pause. Doch nun geht’s weiter mit meinen Gedankennotizen – und wenn du auch (beinahe) täglich fünf random Zeilen aus meiner fantastisch farbenfrohen Welt in meinem Kopf lesen möchtest, komm gern vorbei in meinem Telegramkanal 🥰
Und jetzt bin ich neugierig: Wie würden deine fünf Zeilen heute ausehen?

Liebe Marina,
ich kenne deine lesenswerten Gedankennotizen ja schon und finde auch den Blogartikel dazu ganz wunderbar.
Es ist schön, dass es dir Freude macht und ich muss sagen, dass ich mich auch täglich darauf gefreut habe sie zu lesen. Jetzt bin gespannt, wann und wie es weitergeht und werde auch weiterhin treu lesen.
Aber mach alles in Ruhe und in deinem Tempo, so wie es für dich passt.
Ich überlege auch, wie ich das umsetzen könnte, denn auch mir ist das Schreiben sehr wichtig.
Auch in mir reift eine Idee…
Ganz liebe Grüße
Lidija
Liebe Lidija,
vielen Dank für deine lieben Worte!
Es ist so schön zu lesen, dass du dich auf meine Gedankennotizen gefreut und sie gerne gelesen hast. Ich hab sie auch unglaublich gerne geschrieben – und hab‘ nach drei Wochen auch heute wieder an die bisherigen angeknüpft 😉
Ich bin sehr gespannt, welche Idee da in dir wächst. Erzähl gerne davon, wenn du magst. Das wird bestimmt auch wieder was Tolles!
Viele liebe Grüße
Marina